Dschungel Adventure

Wurdest du auch schon so richtig reingelegt? Oder bist du eher eine Person, die Freunde gerne veräppelt, eine glaubhafte Story auftischst oder einen fiesen Streich spielst? Macht doch einfach auch Spass, oder nicht? Reingelegt werde ich nicht oft und wenn, dann erwarte ich doch, dass man sich dabei Mühe gibt. Mein bolivianischer Dschungel Guide hat das auf jeden Fall geschafft. Aber lies doch gerade selber und ja, ich bin mir bewusst, ein bisschen Schadenfreude deinerseits kann dabei aufkommen.

In Bolivien buchte ich eine viertägige Dschungel Tour. Die Tour führte Roco, ein im Dschungel von Bolivien aufgewachsener Indianer durch. Er sah ein bisschen aus wie Tarzan, nur nicht ganz so muskulös und sein Körper war doch mit ein wenig mehr Stoff bekleidet. Roco scherzte gerne herum, war voller Lebensfreude und konnte uns mit seinen Geschichten über den Dschungel und die Ureinwohner mitreissen. Er kannte jedes herumkrabbelnde Tierchen sowie jede Pflanzenart bestens. Oft lauschte er in den Dschungel hinein, folgte buchstäblich seinen Ohren und konnte uns genau sagen welches Lebewesen sich in der Nähe aufhält. Es war unheimlich beindruckend und interessant mit ihm möglichst geräuschlos wie ein Jäger durch den Dschungel zu schleichen.

Irgendwann hielt er vor einem Jenipapo-Baum an und las eine von den Ästen heruntergefallene Frucht auf. Ich persönlich hatte zu diesem Zeitpunkt, noch nie von diesem Obst gehört. Die Bäume sind im tropischen Südamerika weit verbreitet und die reifen, olive-bräunlichen Früchten können roh gegessen, zu Kompott oder Marmelade sowie auch Getränken verarbeitet werden. Ebenfalls wird die Flüssigkeit der Flucht als Basis zur Herstellung von Henna Tattoos verwendet. So wie die meisten Ureinwohner bemalte auch Roco seinen Körper damit und seine Tattoos sahen dschungelhaft gut aus. Er fragte mich ob er mir ebenfalls ein Henna Tattoo malen dürfe, was ich ihm erlaubte und wir nahmen die Frucht mit uns mit.

Zurück im Basiscamp, kam Roco gleich mit einer Gemüseraffel herbeigeilt und bat mich die ganze Frucht zu raffeln. Die Konsistenz der Jenipapo Frucht ist ähnlich wie bei einem Apfel und die Flüssigkeit ist weiss. Ich raffelte die Frucht und wickelte diese anschliessend, auf seine Anweisung hin, in ein Tuch und presste die Flüssigkeit heraus. Roco gab sich nicht schnell zufrieden und verlangte, so lange zu pressen, bis sich auch der letzte Tropfen in der Schale befand. Ich folgte seinen Worten, wusch mir danach die Hände am Brunnen und brachte das Gefäss mit der Flüssigkeit zu ihm, damit er noch die Farbe dazugeben konnte. Sein breites Grinsen, das ich gleich zu verstehen bekam, vergass ich nicht mehr. Er nahm seinen selbst angefertigten Pinsel zur Hand und fing an mir mit der weissen Flüssigkeit ein Tattoo auf meinen Arm zu malen. Ich dachte er treibt jetzt ein Spielchen und nimmt mich hoch, da man auf meinem Arm kein Tattoo erkennen konnte. Als er meinen fragenden Blick sah, erklärte er mir, dass die weisse Flüssigkeit bereits ihre Farbe in sich trägt. Mit seiner schelmischen Art und einem noch breiteren Grinsen fuhr er fort, dass das Tattoo in etwa 45 Minuten ersichtlich wird. Die Intensität der Farbe wird dann nach etwa 6 Stunden das Maximum erreichen. Da er mir bereits vorgängig erklärte, dass ein Henna Tattoo etwa 10 – 14 Tage hält, war diese Frage zu diesem Zeitpunkt mehr als überflüssig. Ich dachte nur noch an meine Hände, welche ich durch das Auspressen der Frucht in der Flüssigkeit praktisch badete.

Mein Henna Tattoo kam nach der von ihm genannten Zeit langsam zum Vorschein. Der Fokus lag aber nicht mehr auf dem Tattoo. Meine Hände, welche nach ein paar Stunden aussahen, als ob ich sie in ein Tintenfass getunkt hätte, standen für die nächsten Tage ausnahmsweisen im Rampenlicht. Ich wusch meine Hände stündlich mit Seife, versuchte sie mit Nagellackentferner und Benzin zu reinigen. Nichts aber absolut nichts machte es auch nur 1% besser. Also blieb mir nichts anderes übrig, als meine Reise mit einem „Djungelmitbringsel“ fortzsetzen und musste zugestehen, dass ich definitiv noch nie so reingelegt wurde. Roco fand es natürlich unheimlich witzig!

…drei Tage danach

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