Reise nach Ostkanada – meine Highlights

Ich sitze gerade im Bus, welcher mich von Amqui nach Montréal bringt, während ich diese Zeilen tippe. Die Busfahrt dauert fast 9 Stunden. Eine gute Gelegenheit meine Highlights der letzten 6 Wochen festzuhalten. Für die Rückfahrt habe ich mich für eine Reise mit dem Bus entschieden, nachdem ich die Hinfahrt mit der Canadian Railway geniessen durfte. Ich musste wirklich lachen, als ich die Lokomotive von Weitem einfahren sah. Also, eigentlich hörte ich sie zuerst. Das laute Hupen war definitiv nicht zu überhören. 🙂 Ich musste mir die Ohren buchstäblich zuhalten und fühlte mich wie in den 70igern. Ich glaube nicht, dass seither viel Geld in neue Flotten investiert wurde, zumindest was der Osten Kanadas betrifft. Ui Ui Ui, liebe RhB Freunde, vor lauter Staunen vergass ich natürlich das Ganze auf einem Foto oder Video festzuhalten. Aber ich bin mir sicher, du kannst dir ungefähr vorstellen wie es aussah. 🙂

Was sind deine ersten Gedanken, wenn du an Kanada denkst? Wenn ich bisher an Kanada dachte, kamen mir vor allem die Städte Vancouver und Calgary in den Sinn. Natürlich gefolgt von Banff, Jasper, den Rocky Mountains. Die Wildnis mit den Bären, Pumas und Walen sowie meine Lieblingsinsel Vancouver Island. An den Osten dachte ich jedoch weniger. Ich kannte ihn bisher auch nicht wirklich und ich muss sagen, er ist traumhaft schön. Atemberaubend. Ich hätte niemals gedacht, dass der Osten Kanadas mir so gefallen würde. Absolut genial. Meine Highlights befinden sich jedoch weiter nördlich von Montréal, Québec City und den Niagarafällen, und zwar im Norden Québecs, in New Brunswick und zu meiner Überraschung in Nova Scotia. Ich fragte mich, warum viele Leute Kanada vor allem mit dem Westen assoziieren, wobei die Ostküste genau so vielfältig und fantastisch ist.

Hast du gewusst, dass Kanada das zweitgrösste Land der Welt ist, aber nur rund 35 Millionen Einwohner hat? Kanada ist somit 240 mal grösser als die Schweiz, mit rund 4-mal so vielen Einwohnern. Das ist doch der Wahnsinn. Kein Wunder besitzen hier viele ein bezahlbares Häuschen am See und man kann noch Wanderungen unternehmen, ohne dass man auch nur einer einzigen Person über den Weg läuft und ständig «Grüezi» sagen muss/darf. 🙂 Kanada fasziniert mich einerseits mit seiner unberührten Natur und der unendlichen Weite und anderseits mit seinen interessanten und modernen Städten wie Vancouver, Montréal, Toronto und Québec City. In Ostkanada zeigt sich das Land von einer anderen Seite als im Westen. Obwohl ich hier wirklich erwähnen muss, dass Nova Scotia mit den unglaublich vielen Inseln, den eindrucksvollen Klippen und flachen, praktisch weissen Sandstränden Vancouver Island sehr ähnlich sieht. In den Grossstädten wie Montréal und Québec City spürt man das französische Flair sehr. Aber aufgepasst, vergleiche die Provinz Québec nie mit Frankreich. Da wäre jeder Quebecer in seinem Stolz verletzt. 🙂 Ich meine, nur schon der französische Akzent ist so anders. Sagen wir es mal so, auch wenn ich Französisch sprechen könnte, würde ich kaum etwas verstehen und umgekehrt genauso. Nichtsdestotrotz kann man das französische Ambiente in Montréal und Québec City in einem gemütlichen Strassencafé mit einem Café und einem Croissant oder einem Crêpes geniessen. Übrigens gehört die Altstadt Québecs zum Unesco-Weltkulturerbe. Sie ist fast vollständig von einer 4.6 km langen Stadtmauer umgeben und gilt historisch als sehr bedeutend und einzigartig.

Wenn du mal vor hast, den Osten Kanadas zu bereisen, dann rate ich dir dies mit einem Camper Van zu machen. Die Infrastruktur ist überall vorhanden und wirklich super. Ich habe noch nie so viele Camper Vans gesehen wie auf dieser Reise. Viele Kanadier besitzen ein eigenes Motorhome. Dieses steht meist neben dem Haus im Garten. Es gibt auch viele die darin wohnen. Für die Kanadier ist das nichts Spezielles und gilt als ganz normal. Ich habe mir vorgestellt, was mein Umfeld wohl denken würde, wenn ich mir in der Schweiz einen Camper zulegen und darin wohnen würde. Wahrscheinlich würde es nicht als so „normal“ angesehen werden. 🙂

Eigentlich wollte ich hier unter anderem auch Kitesurfen. Obwohl der Monat August dazu normalerweise gut geeignet ist, war dieses Jahr genau das Gegenteil der Fall. Es war, wie auch in der Schweiz, ein aussergewöhnlich warmer Sommer, praktisch ohne Wind. Es gab nur sehr wenige gute Kitesurftage. Dies gab mir dafür die Gelegenheit und die Zeit, andere Dinge zu entdecken und zu erkunden. Mutter Natur kann man halt nicht beeinflussen. Ich verliebte mich in die vielen kleinen Bierbrauereien. Um ehrlich zu sein, Kanada besitzt diesbezüglich wirklich Schätze. Ich habe hier bislang das beste Bier getrunken. Die Auswahl ist gigantisch von Blanche bis zu Stouts in allen Geschmäckern und Variationen. Für mich gab es hier fast nichts besseres, als die Abende mit Freunden zu geniessen, gute Gespräche zu führen und dazu eine kleine Bier Degustation zu veranstalten. Einfach spitze. Ach ja und dazu gehört natürlich ein Poutine. Das ist eine kanadische Fast-Food-Spezialität und besteht aus Pommes-Frites, Käse und darüber gegossene Bratensauce. Vielleicht verstehst du jetzt, was ich meine, wenn ich sage, Bier und Poutine gehören zusammen. 🙂

Québec
Neben den kleinen Städten wie Rimouski, Matane, Carleton Sur Mer und Percé, hat mir die Gaspésie Halbinsel sehr gut gefallen. Diese beeindruckte mich durch die eindrucksvollen Klippen, die schönen Strände und die wirklich sehr abwechslungsreichen Küstenlandschaften. Eine weitere Spezialität in Gaspésie ist der mit Ahornsirup geräucherte Lachs. Nur schon beim Gedanken daran, läuft mir das Wasser im Mund wieder zusammen. Das war der beste geräucherte Lachs, den ich je gegessen hatte. It was more than delectable!

New Brunswick
New Brunswick ist die einzige offiziell zweisprachige Provinz in Kanada. Ich war auf jeden Fall schon wieder dankbar, als ich mit Englisch begrüsst wurde. Die Landschaft in New Brunswick ist geprägt von unheimlich vielen Flüssen und Wäldern. Ich war in Shippagan um Kite zu surfen. Sagen wir es mal so, es war sicher nicht der einfachste Ort bzw. die besten Verhältnisse um zu Kiten. Der rauhe Ozean, die für mich etwas zu grossen Wellen und noch dazu der Onshore Wind machten es mir nicht ganz leicht. Aber es hat trotzdem richtig Spass gemacht. Als es dann noch anfing zu regnen, war die Atmosphäre perfekt. Ich weiss, du denkst jetzt sicher, was erzählt sie jetzt. Aber ehrlich, es war genial. In meinem Neoprenanzug hatte ich es warm und ich genoss den wilden Ozean und die Atmosphäre. Danach liessen wir uns am Lagerfeuer trocknen und wärmen.

New Brunswick hat einen wunderschönen Nationalpark namens Kouchibouguac. Der ist auf jeden Fall sehenswert und besitzt wieder einmal super schöne Strände. Leider war die Mosquito Plage dieses Jahr so schlimm, dass wir den Nationalpark gegen Abend wieder verliessen. Mit schlimm meine ich, dass ich bei 100 Mosquitos, welche an einer mit Netz ausgestatteten Fensterscheibe hingen, aufgehört habe zu zählen.

Noch etwas, was ich hervorheben möchte, ist die Bay of Fundy. Sie liegt zwischen den beiden Provinzen New Brunswick und Nova Scotia und ist die Bucht mit dem weltweit extremstem Tidenhub. Dort ist der Unterschied zwischen Ebbe und Flut besonders gross. In der Bay of Fundy fliessen täglich über 150 Milliarden Tonnen Salzwasser zweimal täglich in die Bay und wieder hinaus. Beeindruckend. Ich musste mich auch erst darüber aufklären lassen. Wenn das Hochwasser zurückgeht und der Wasserspiegel rund 15 Meter fällt, kann man sechseinhalb Kilomenter auf dem Meeresboden spazieren gehen. Leider hatte ich zu wenig Zeit für einen solchen Spaziergang, aber ich wollte dir das nicht vorenthalten.

Übrigens, an den Hopewell Rocks kann man den Tidehub am eindrucksvollsten erleben. Es gibt dort sehr imposante Felsformationen. Die Gegend ist auch wunderschön zum Wandern, Kajaken oder einfach um die Sonne an den wunderschönen Sandstränden zu geniessen.

Nova Scotia
In Nova Scotia habe ich mich verliebt. Vielleicht liegt es daran, dass die Provinz Ähnlichkeiten mit Vancouver Island aufweist oder einfach weil wir eine herzensgute Gastgeberin hatten. Ann, eine in Nova Scotia aufgewachsene 59-jährige Kanadierin war einfach der Hammer. Dass die Kanadier gerne zu einem Schwätzchen offen sind, wusste ich schon, aber Ann war gigantisch. Eigentlich wollten wir nur einen Kaffee in der Bäckerei holen, als sie uns ansprach und gleich zu sich einlud. Wir konnten ihre Kajaks für eine traumhaft schöne Kajaktour auslehnen und als wir hungrig zurückkamen und uns etwas zu essen machen wollten, offenbarte sie uns, dass sie bereits gekocht hätte. Sie servierte uns Lobster mit Knoblauchbutter. Ihre Gefriertruhe war bis oben gefüllt mit den Meerestierchen und Fischen aller Art. Wir tranken Bier bis in die Nacht hinein, hatten unglaubliche Gespräche, lachten bis uns die Gesichtsmuskeln weh taten und schliefen dann zufrieden ein. Ann liess uns sogar in ihrem Camper Van schlafen. Am nächsten Morgen wartete bereits das Frühstück auf uns und sie liess es sich nicht nehmen, uns obendrauf auch noch zum Mittagessen Krebs und Fisch mit Gartengemüse zu kochen. Das war mal ein Erlebnis. Ich bin immer noch gerührt von der Gastfreundschaft, denn so etwas erlebt man nicht oft. Thanks Ann, you’re the best host ever, I won’t forget you. You were more than amazing!

Die Strecke von Halifax der Küste entlang bis in den Norden von Nova Scotia ist unglaublich schön. Ich sah jeden Tag die schönsten Sonnenuntergänge. Der Strand und die Joggingtour um die Insel am Taylor’s Head Beach war grandios. Am Morgen konnte ich meine Yogamatte auspacken und am hellen, feinen Sandstrand Yoga praktizieren, während die Sonnenstrahlen meinen Körper erwärmten. Einfach herrlich.

Die Zeit verging wieder einmal viel zu schnell, aber ich werde bestimmt wieder einmal hier herkommen.

Tipps und Wissenswertes

Die beste Jahreszeit für den Osten Kanadas ist von Juni bis August. Ab Mitte/Ende August ist es nicht mehr sehr touristisch und du hast die Strände für dich alleine.

Rimouski: Le Moussonneur Cafe Lounge – wirklich sehr guter Kaffee.

Matane: La Fabrique – Bestes Pup und Bierbrauerei. Sehr gutes Essen. Hier findest du einen sehr guten Poutine. 🙂

Carleton Sur Mer: Boulangerie/Pâtisserie La Mie – super Bäckerei mit gutem Brot. :-), Atelier/Boutique Le Bar rayé – wirklich schön gemacht mit vielen selbstgemachten Produkten.

Percé: Pup Pit Caribou – eine weitere gute Bierbrauerei.

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Bis Bald Kanada!

4 Kommentare zu „Reise nach Ostkanada – meine Highlights

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